Onlinefreunde – Echt oder Falsch?

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Freunde sind durchaus etwas sehr Wichtiges in unserem Leben. Sie begleiten uns durch den Alltag, leisten uns Gesellschaft, und sie geben uns auch mal den einen oder anderen guten Rat wenn wir ein Problem haben. Wir können auf ihre Unterstützung und Hilfe bauen wenn wir traurig oder verzweifelt sind, oder wenn wir beim Umzug mal starke Hände zum Anpacken brauchen. Die richtig Guten unter ihnen dürfen wir auch mal getrost nachts um Drei Uhr anrufen wenn Not am Mann ist. Kurz: Freunde geben uns das Gefühl niemals alleine zu sein. Und genau das ist ja etwas was richtige Freunde so wertvoll macht. Im Zeitalter von Facebook und anderen Sozialen Netzwerken begegnet uns der Begriff „Freunde“ so oft, dass wir direkt glauben wollen, dass all diese Menschen die da unsere Followerlisten bevölkern, tatsächlich zu unserem Freundeskreis gehören. Ich muss sagen, dass ich da nicht viel anders dachte. Und ich habe auch so viele sehr nette Menschen „kennengelernt,“ dass es mir nach wie vor schwerfällt, zu glauben, dass es nur diese Freunde sind, von denen man immer scherzhaft sagt, das sie „im Computer wohnen.“

Doch so allmählich dämmert es mir, dass dieser Spruch ein Körnchen Wahrheit enthält. Denn die meisten von ihnen wären zwar im realen Leben sicherlich richtig gute Freunde, doch die Entfernung zwischen unseren Wohnorten macht es leider praktisch unmöglich, dass wir uns jemals „live“ begegnen werden. Und genau das ist der Punkt, der Onlinefreunde von echten Freunden unterscheidet. Sie existieren in den Weiten des Internets, aber unseren persönlichen Alltag werden sie in den meisten Fällen nie mit ihrer Anwesenheit bereichern können. Haben wir Glück, so dürfen wir uns mal persönlich treffen. Einmal. Zum Hallo-Sagen und Ganz-Kurz-Zeit-Miteinander-Verbringen. Das war es dann auch schon. Auch unter Onlinefreunden gibt es diese sogenannten „Seelenverwandten.“ Menschen die einem auf Anhieb sympathisch sind, und mit denen man sich versteht, als hätte man sich schon eine Ewigkeit gekannt. Mit ihnen teilt man seine großen und kleinen Probleme, Träume und Ideen. Hat die gleichen Ansichten ( oder auch nicht ). Man tauscht auch mal per Post Geschenke aus, und schickt sich gegenseitig Karten aus dem Urlaub oder zum Geburtstag.

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Was eine echte Freundschaft ausmacht, sind aber nicht nur diese kleinen Anklänge von gegenseitiger Sympathiebekundung in Form von Likes oder Herzchen. Eine echte Freundschaft besteht auch aus Treffen, immer Füreinander-Dasein, langen Telefonaten und dem Bewusstsein, dass da jemand ist, der einen braucht und dem man wichtig ist. Das hört sich schon nach einer echten Beziehung an. Und das ist Freundschaft ja eigentlich auch. Eine Beziehung zwischen Menschen die sich sympathisch sind und die auf einer Wellenlänge liegen. Eine Freundschaft die nur auf gelegentliche Likes und Chats im Internet beschränkt ist, kann kaum mit einer Freundschaft mithalten, bei der sich Menschen realen Halt zum Anfassen geben können. Die Beziehungen bleiben immer etwas künstlich, und man erlebt den anderen immer so, als befände er sich in einer fernen Welt, irgendwo zwischen den Sternen. Ich darf sagen, dass ich mich mit meinen Onlinefreunden sehr gut verstehe, und das ich froh bin, wenigstens einige nette Leute im Netz zu kennen. Natürlich würde ich mich freuen, wenn wir die Chance hätten, uns zu treffen und persönlich kennen zu lernen. Aber wie das mit den Wunschträumen meist so ist, sie bleiben Wunschträume. Das Onlinefreundschaften nur aus relativ sporadischem Kontakt bestehen und oft auch nicht wirklich ernst genommen werden, beweist mir die Tatsache, dass sogar das anfangs regelmäßige Chatten und Liken mit der Zeit weniger wird. Bis es irgendwann ganz einschläft, und damit auch die Onlinefreundschaft zum scheitern verurteilt ist. Am Ende wirft einer den anderen aus seiner Followerliste und damit hat es sich. Auch wenn das jetzt sehr krass formuliert ist, aber es ist möglich.

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Unsere Freunde im echten Leben können wir eben nicht so einfach mal aus unserer Freundesliste werfen oder sie völlig ignorieren. Das würden wir auch nur dann tun, wenn sich etwas wirklich Unentschuldbares zwischen uns ereignet. Das Netz ist bleibt ein Ort wo sich Menschen mit ähnlichen Ansichten und Vorstellungen treffen, sich austauschen und auch mehr oder weniger regelmäßigen Kontakt pflegen. Aber eben lediglich per Smartphone oder Computer. Da bleibt eben doch immer diese kleine Schwelle die unüberwindbar zu sein scheint, und die letztlich den Unterschied zwischen echten und virtuellen Freundschaften macht.

Das Glück in der selben Stadt wie der Lieblingsfollower zu leben, hat nicht jeder. Die Distanz zwischen ihnen zerstört ein mögliches Intensiver werden einer solchen Freundschaft. Auch ich habe Onlinefreunde die sich langsam aber stetig aus dem Internet zurückgezogen haben, und zu denen ich dadurch leider kaum noch Kontakt habe. Natürlich könnte ich wieder auf die Leute zugehen, und sie, um es im besten Facebookdeutsch zu sagen, Anzustupsen. Aber da ist wieder diese ( dumme ) Befürchtung, es könnte ihnen nicht recht sein, die mich zögern lässt. Und so lebt man dann weiterhin mit leicht verschlafenen Onlinefreundschaften, und nimmt sich lediglich vor, sie vielleicht in den kommenden Wochen oder Monaten mal wieder aus ihrem Dornröschenschlaf aufzuwecken. Es bleibt dann aber leider meist beim Vorhaben, und der Hoffnung, dass keiner den anderen völlig in Vergessenheit geraten lässt. Auch Onlinefreunde vermisst man, wenn man sie längere Zeit nicht mehr trifft. Auch wenn es nur in der Timeline des jeweiligen Netzwerkes ist.

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Wie dem auch sei, auf jeden Fall betrachte ich die Sache mit den Onlinefreunden nun etwas differenzierter. Ich will nicht sagen, dass ich diese Art der Freundschaft nicht schätze. Sie gehört im Internetzeitalter schließlich zum ganz normalen Alltag. Aber ich bin mir klar darüber geworden, dass sie reale Freunde nicht ganz ersetzen kann. Eine interessante Ergänzung sind Onlinekontakte auf jeden Fall. Hat man doch die Möglichkeit, viel mehr Menschen rund um die Welt kennenzulernen als es normalerweise möglich wäre. Und das sehr nette Menschen dabei sein können, dass kann ich voll und ganz bestätigen. Und wer weiß, vielleicht treffe ich ja doch noch mal ein paar von ihnen 😉

In diesem Sinne, freundschaftliche Grüße von eurer Barbarella ♥

 

 

 

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