Politische Beiträge – Oder warum ich lieber den Mund halte.

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Kürzlich las ich einen Artikel im persönlichen Blog einer Freundin, der mich zum Nachdenken anregte, und in mir den Drang weckte, entgegen meiner früheren Einstellung nun doch mal einen Beitrag zum Thema Politik zu verfassen. Bisher war mir dieses Themengebiet zu heikel, zu kontrovers und provokant um mich daran zu wagen, oder sogar darüber einen Beitrag zu schreiben. Ich weiß nämlich, wie hart man kritisiert werden kann, wenn man im öffentlichen Raum politisch Stellung bezieht. Ich muss zugeben, dass ich mich auf Twitter durchaus schon mal kritisch geäußert habe, zu Ereignissen die politischer Natur waren, und die mich von der Sachlage her dazu herausforderten, meine Meinung kundzutun. Dafür bekam ich, wie zu erwarten, postwendend harsche Kritik von Leuten, die meiner Meinung nicht standhalten konnten oder wollten ( Ich tendiere eher zu letzterem ). Das ging so weit, dass einige es sogar für nötig hielten, mich auf Twitter zu bashen.

Ich war teilweise doch ziemlich überrascht wie schnell Menschen bereit sind, ihre mehr oder weniger gute Kinderstube zu vergessen, und mir Dinge an den Kopf zu werfen, die man vielleicht in schmuddeligen Hinterhöfen erwartet, aber normalerweise nicht in Gesprächen mit Menschen die eine gewisse Bildung haben. Wobei man ja bei vielen nicht so recht weiß, wo sie ihre Bildung erworben haben. Haben sie ihr Bildungsniveau lediglich gewissen privaten Fernsehsendern zu verdanken, so erklärt das natürlich einiges. Viele haben die Bundestagswahl 2017 als Möglichkeit angesehen, ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen und den Politikern zu zeigen, dass sie sich als Bürger Deutschlands unverstanden fühlen. Das ist ihr gutes Recht in einer Demokratie. Das nicht wenige die Afd gewählt haben, war vielleicht für einige überraschend, und für nicht wenige sogar skandalös. Schnell, wie ich finde zu schnell, wurden Wähler die nicht „Mainstream“ gewählt haben, als Nazis abgestempelt und in die äußerste Rechte Ecke gestellt.

Es ist halt sehr bequem jemanden kurzerhand als Nazi zu brandmarken wenn man von ihm weiß, dass er, sagen wir mal, „kritisch,“ gewählt hat. Diese vorschnelle Verurteilung von Menschen scheint mir vor allem im Internet stark „in Mode“ gekommen zu sein. Man muss schon aufpassen was man sagt oder schreibt, wenn man nicht ins Visier von Leuten geraten will, denen anderslautende Meinungen nicht ins Revier passen. Doch diesen Leuten sei gesagt, ihr könnt den Menschen zwar verbieten ihre Ansichten und Standpunkte zu äußern, aber ihr könnt ihnen nicht verbieten zu denken. „Die Gedanken sind frei“ heißt es in einem deutschen Volkslied zur Gedankenfreiheit. Und das ist schon mal gut so!

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Das ich mich seit meinem letzten Ärger mit solch unliebsamen und intoleranten Mitbürgern, die doch sonst immer Toleranz predigen, zurückhalte was politische Themen angeht, ist verständlich. Schließlich will ich meinen Frieden haben, wenn ich im Internet unterwegs bin um mich mit anderen Nutzern auszutauschen. Dann eben nicht über Politik sondern über die ganz belanglosen und netten Dinge des Lebens. Die Nachbarn, das Wetter, Freunde und Familie, oder Neues von Prominenten etc. Das ich dennoch weiterhin meine ganz eigene Meinung über die Vorgänge in der Politik habe, dass kann man sich denken. Schließlich ist Denken ( noch ) nicht verboten. Auch jene Zeitgenossen, die es so hart getroffen hat, als sie erfuhren, dass ich nicht ihrer Meinung bin. Leute die anderen Toleranz vorschreiben, sie aber selbst nicht aufbringen können sobald es nicht nach ihrer Nase geht, kann ich nicht ernst nehmen. Das wäre zu viel verlangt.

Ich behalte meine Meinung für mich und bewahre so meinen Frieden. Gedanklich darf ich aber rebellieren wenn mir etwas nicht passt. Das kann mir keiner verwehren. Auch wenn es einem Rebellen wie mir manchmal schwerfällt, nicht meine ehrliche Meinung zu äußern, so lasse ich es doch lieber und halte damit auch meine „Hater“ auf Abstand. Ich kann mich, ganz ohne Zier als jemanden bezeichnen, der im Internet viel über Menschen gelernt hat. Vor allem über die Maske die Viele in der Öffentlichkeit tragen, und die sie fallen lassen, sobald sie anonym im Netz unterwegs sind. Ich habe das Gesicht unter dieser Maske schon so oft kennenlernen dürfen, dass es mir zu erheblicher Menschenkenntnis, aber auch zu gewissem Misstrauen Menschen gegenüber verholfen hat. Gerade bei heiklen Themen wie Politik, fällt bei vielen Nutzern dieser Vorhang und sie greifen an.

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Ich halte mich in diesen politisch schwierigen Zeiten zurück, was freie Meinungsäußerung angeht. Das erleichtert mir die Nutzung der sozialen Netzwerke erheblich. Ich muss nicht mehr mit „Mobbing“ und „Bashing“ rechnen, weil ich meine Ansichten nicht mehr glasklar durchblicken lasse. Sie bleiben in meinem Kopf und sind damit unzugänglich für all jene, denen sie ohnehin sauer aufstoßen würden. Schließlich will ich nicht, dass diese Menschen zu ihrem Kampf gegen andere Meinungen, auch noch  zusätzlich Magenbeschwerden bekommen ( Vorsicht Ironie! ).

Das Ergebnis der Bundestagswahl 2017 war aufrüttelnd, und ein Zeichen dafür, dass die Bürger doch gelegentlich mitdenken und mitverfolgen was um sie her geschieht. Und das sie durchaus bereit sind, sich zu äußern. Auch wenn das nicht jedem in den Kram passt. Aber Freiheit heißt auch, seine Meinung vertreten zu können und zu dürfen. Obwohl das mit dem „dürfen“ mittlerweile so eine Sache geworden ist. Und eine Wahl bietet eine gute Plattform um mitzureden und sich zu äußern. Gerne auch mal laut. Denn allzu leises Geflüster wird ja nur allzu gerne überhört. Und die Kritiker als Nazis zu betiteln, ist nur Ausdruck davon, dass keine Argumente vorhanden sind, mit denen sich die kritische Haltung erklären lässt. Ich habe leider auch den Eindruck, dass es von einigen als modern angesehen wird, sofort die Nazikeule zu schwingen, wenn jemand sich kritisch zur Regierungspolitik äußert. Man bekommt damit viele Follower in sozialen Netzwerken, weil viele das einfach cool und richtig finden. Kurz: Man wird beliebt und angesehen im Internet. Etwas was bei den meisten Nutzern als höchst erstrebenswert gilt.

Mich, der ich bisher meist offen mit Menschen geredet habe, macht diese Haltung betroffen. Zeigt sie mir doch, wie wenig diese Menschen nachdenken. Wie wenig Gedanken sie sich darüber machen, warum viele Wähler Protest gewählt haben. Denkt doch einfach mal nach, bevor ihr anderslautende Meinungen so abstraft und die Menschen dahinter diffamiert und ausgrenzt! Es ist ja auch furchtbar schwer sich mal in andere Menschen hineinzudenken und sie zu verstehen. Da ist es leichter, sie sofort in die Rechte Ecke zu stellen und ihnen das Brandmal der politischen Sünde aufzudrücken.

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Meine Bitte an diejenigen die glauben, es sei völlig in Ordnung andere wegen ihrer Ansichten zu mobben, zu stigmatisieren und voreilige Behauptungen über sie aufzustellen: Schaltet erst mal euren Kopf ein bevor ihr urteilt warum jemand etwas tut oder warum er einer bestimmten Ansicht ist. Ihr seid schließlich auch einer Ansicht, habt eure Meinung in der Politik. Gesteht dieses Recht auch mal anderen zu. Eine Meinung zu haben ist kein Verbrechen und macht keinen zu einem schlechteren Menschen. Lasst eure Wut nicht im Internet an Leuten aus, nur weil sie euch nicht zustimmen. Ich weiß, dass meine Bitte wahrscheinlich nicht gehört wird, weil es cooler ist mit dem Strom zu schwimmen und allen nach der Nase zu reden. Trotzdem wünsche ich mir, dass auch Leute die Kritik laut werden lassen, mehr Akzeptanz oder zumindest Toleranz, und nicht nur diese offen feindselige Ablehnung, erfahren.

Diesen Beitrag musste ich einfach mal loswerden. Ich wollte eigentlich, aus oben genannten Gründen, nie über Politik schreiben. Dies wird wohl auch kein politischer Blog werden. Aber der Beitrag einer lieben Freundin hat mir Mut gemacht, meinen Gedanken zu diesem Thema doch einmal Ausdruck zu verleihen.

In diesem Sinne, ganz unkritische Grüße und ein schönes Wochenende, wünscht euch eure Barbarella ♥

 

 

 

 

 

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